© Stadtarchiv Fürth

Erfahren Sie mehr über Erhard, Grundig, Kissinger & Co.

Fürther Persönlichkeiten

Herausragende Menschen der Stadtgeschichte

Fürther Persönlichkeiten

Prominente auf Schritt und Tritt? Auf dem Fürther "Ehrenweg", entlang der Mathilden- und der Schwabacher Straße, können Sie 16 in den Boden verlegte Bronzeplatten entdecken, auf denen außergewöhnliche Fürther Persönlichkeiten mit ihren Lebensdaten verewigt sind.

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie wurden in Fürth geboren oder hatten hier ihren Lebensmittelpunkt und sind weit über die Grenzen ihrer Geburtsstadt hinaus bekannt geworden.

Henry Kissinger
Portrait von Henry Kissinger in schwarz-weiß
© Presseamt Fürth

*1923

In Fürth kam er zur Welt und emigrierte mit 15 Jahren in die USA. Von 1973 bis 1977 war er Außenminister der USA und erhielt den Friedensnobelpreis. Ohne Zweifel ist er die weltweit bedeutendste und prominenteste Persönlichkeit, die die Kleeblattstadt je hervorgebracht hat.

 

 

In Meinungsumfragen wurde er einmal zum "am meisten bewunderten Amerikaner gewählt" und galt lange Jahre als der "erfolgreichste Diplomat der amerikanischen Geschichte".
 

Die Jahre in Fürth

Henry Kissinger wurde am 27. Mai 1923 als Heinz Alfred in der Fürther Mathildenstraße und als Sohn von Louis und Paula Kissinger geboren. Sein Vater Louis, der noch heute vielen älteren Fürthern gut in Erinnerung ist, war Handels-Lehrer, zunächst an der privaten Heckmannschule, dann in einer Grundschule für Mädchen und ab 1909 am Lyzeum am Tannenplatz. 1922 heirate er Paula Stern und zog mit ihr in eine Fünf-Zimmer-Wohnung in der Mathildenstraße 23, wo ihr Sohn Heinz Alfred das Licht der Welt erblickte.

Heinz Alfred ging auf die jüdische Grundschule. Danach wurde ihm nicht erlaubt, das Gymnasium zu besuchen, da er als Jude nicht zugelassen war. Deshalb besuchte er die Israelitische Realschule in der Blumenstraße 31.


Im Jahr 1938 verließ die Familie Kissinger Fürth und emigrierte in die USA. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der eigentlich national gesinnte Vater Louis den Übergriffen und Beleidigungen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes getrotzt.

Der ungewöhnliche Lebensweg von Henry Kissinger

In den USA studierte Henry A. Kissinger - nachdem er seinen Wehrdienst in der US-Army geleistet hatte - mit einem Staatsstipendium an der Harvard Universität politische Wissenschaft und promovierte zum "Philosophical Doctor". Bereits ab 1951 übernahm er leitende Positionen im Bereich internationaler Angelegenheiten an der berühmten Universität. In den Jahren 1955/56 gehörte er dem "Rat für außenpolitische Beziehungen Amerikas" an.

Mit einem Buch über Atomwaffen und Außenpolitik, das 14 Wochen lang auf der Bestsellerliste stand, begründete Kissinger in dieser Zeit seinen Ruf als strategischer Denker.

1962 wurde er zum Professor an der Harvard-University ernannt und stellte sich der jeweiligen US-Regierung wiederholt als Ratgeber - beispielsweise in der Berlinkrise 1958-1962 - zur Verfügung. Ende der sechziger Jahre ernannte ihn US-Präsident Richard Nixon zum Sicherheitsberater.

1973 übernahm er das Amt des Außenministers, das er bis 1977 bekleidete. Zusammen mit dem nordvietnamesischen Politiker Le Duc Tho erhielt er 1973 den Friedensnobelpreis für die Aushandlung des Waffenstillstandes in Vietnam.

Kissingers Popularität in den USA war damals sehr groß. Nur die Tatsache, dass er in Fürth und nicht in den USA geboren war - nach der amerikanischen Verfassung unabdingbare Voraussetzung - verhinderte Kissingers Kandidatur als Nachfolger Nixons.

Auch nach dem Ende seiner aktiven Zeit blieb Kissinger in engem Kontakt zur internationalen Politik. Seine umfangreichen Publikationen sind bis heute ebenso gefragt wie seine geschliffenen Reden. Seine hoch geschätzten Aussagen zu aktuellen Themen der weltpolitischen Lage haben nichts an Kompetenz und Überzeugung verloren.

Die Bürgerinnen und Bürger Fürths verfolgten jede Station des ungewöhnlichen Lebensweges von Heinz Alfred Kissinger. Seine Besuche in der alten Heimat - so zum Beispiel 1959, 1988, 1994 und vor allem am 15. Dezember 1975, als er während seiner Amtszeit als US-Außenminister mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Fürth ausgezeichnet wurde - galten stets als großes Ereignis.

Henry Kissinger, der Fußball und die Spielvereinigung

Henry A. Kissinger war in seiner Jugend ein begeisterter Fußballspieler und ein glühender Anhänger der Spielvereinigung Fürth, die damals noch zu den deutschen Spitzenclubs gehörte. Er selbst erinnert sich heute noch, dass er das Fußballspielen dem Lernen vorgezogen hat.

Er spielte zuerst beim jüdischen Sportclub Bar Kochba, dann bei der Schülermannschaft der SpVgg. In seiner Klassenmannschaft war er wegen seiner Führungsqualitäten Spielführer. Noch heute pflegt Kissinger die Leidenschaft zum Fußball und ist über die aktuellen Entwicklungen der Spielvereinigung Greuther Fürth bestens informiert. Bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA gehörte er zum Organisationsteam.

Ehrenbürger Professor Dr. Henry A. Kissinger

Nach der Gemeindeordnung von 1952 haben alle bayerischen Kommunen das Recht, Persönlichkeiten, die sich um ihre Gemeinde besonders verdient gemacht haben, mit der Ehrenbürgerwürde auszuzeichnen. Die Stadt Fürth ist immer sehr zurückhaltend gewesen, wenn es um die Verleihung dieser Auszeichnung ging. So sind es seit 1818 bis heute nur 18 Persönlichkeiten, welchen das Ehrenbürgerrecht übertragen wurde; nach 1945 waren es außer Henry Kissinger nur drei (Grete und Gustav Schickedanz, Max Grundig): Henry A. Kissinger erhielt am 20. Mai 1998 während eines feierlichen, weltweit beachteten Festaktes die höchste Auszeichnung, die Fürth zu vergeben hat. Die Stadt Fürth würdigte mit dem Ehrenbürgerrecht sein politisches Lebenswerk, das ihn zu einer der herausragendsten Persönlichkeiten dieses Jahrhunderts gemacht hat.

Weitere Informationen

Evi Kurz, die heutige Leiterin des Ludwig Erhard Zentrums, brachte 2017 das Buch "Die Kissinger-Saga - Walter und Henty Kissinger. Zwei Brüder aus Fürth" heraus.

Ludwig Erhard
Ludwig Erhard bei einem Außentermin.
© Stadtarchiv Fürth

*1897   †1977

Er steht für die soziale Marktwirtschaft und für das Wirtschaftswunder, obwohl er selbst dieses Wort nicht besonders mochte.

 

 

Ludwig Erhards Name ist ein fester Begriff in der deutschen Nachkriegsgeschichte und auch in der Kleeblattstadt Fürth. Seit 2018 erinnert hier das neue Ludwig Erhard Zentrum an den berühmten Sohn der Stadt.

Trotzdem verdankte die Bundesrepublik in hohem Maße ihre Stabilität dem ungeheuren Aufschwung, der eng mit dem Namen Ludwig Erhard verbunden ist.

Jugend in Fürth

Erhard wurde damals in der früheren Sternstraße geboren. Sein Elternhaus wie auch die sozialen Verhältnisse in Fürth während der 20er-Jahre haben sein späteres Wirken entscheidend beeinflusst.

Sein Vater war ein Bauernbub aus der unterfränkischen Rhön, der mit großem Fleiß sein Glück in der florierenden Industriestadt Fürth machte. Er arbeitete sich zum selbständigen Kaufmann hoch und erwarb ein Woll-, Weiß- und Wäschegeschäft.

Die Mutter, eine Fürther Handwerkstochter, arbeitete trotz ihrer fünf Kinder ständig im Geschäft mit und vermittelte dem kleinen Ludwig - wie er sich später erinnerte - eine "Atmosphäre bürgerlicher Beschaulichkeit und Sorglosigkeit".

Wegen der Folgen einer Kinderlähmung und einer Verletzung im Ersten Weltkrieg konnte Ludwig das väterliche Geschäft nicht übernehmen. Er machte deshalb nach Kriegsende sein Abitur, studierte in Nürnberg und Frankfurt Volkswirtschaft und blieb bis zur Habilitation an der Universität Frankfurt.

Wirtschaft und Politik

Erhard hatte in seiner Heimatstadt die großen sozialen Probleme der Zwanziger Jahre erlebt: die Inflation und Arbeitslosigkeit, die bayernweit in Fürth am höchsten war. Diese Erfahrung spielten sicher ein Rolle dafür, dass sich Erhard nach Kriegsende als bayerischer Wirtschaftsminister, als Direktor der Verwaltung für die Wirtschaft der Bizone und als Bundeswirtschaftsminister unter Adenauer für die soziale Marktwirtschaft einsetzte, also für die Verbindung von freiem Markt, der von der Konkurrenz lebt, und der Solidarität für die Gemeinschaft. Die Synthese dieser zwei divergierenden Prinzipien hat in der jungen Republik den gesellschaftlichen Frieden und den schnellen wirtschaftlichen Aufschwung begründet.

Die Krönung der politischen Laufbahn war für Ludwig Erhard das Amt des Bundeskanzlers von 1963 bis 1966. Dabei blieben ihm allerdings der frühere Erfolg und die breite Anerkennung versagt. Die Stadt Fürth ehrte ihren berühmten Sohn mit der Goldenen Bürgermedaille und benannte 1977 eine Straße nach ihm. Auch eine der Berufsschulen Fürths trägt seinen Namen.

Ludwig Erhard Zentrum
Max Grundig
Zu sehen ist eine schwarz-weiße Fotoaufnahme des Gesichts von Max Grundig.
© Stadtarchiv Fürth

*1908 †1989

Der Name Grundig ist eng mit Fürth verbunden und steht für die Wirtschaftswunderzeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Max Grundig wurde in Nürnberg in ganz einfachen Verhältnissen geboren. Sein Vater war Lagerverwalter und starb, als der Junge zwölf Jahre alt war.

 

Schon während seiner kaufmännischen Lehrzeit musste Max deshalb für seine Mutter und drei Schwestern sorgen.

Grundigs Erfolgsgeschichte

Die Freizeit verbrachte Max Grundig mit dem Basteln von Radios, denen sein ganzes Interesse gehörte. 1927 wagte er schließlich den großen Sprung und eröffnete sein erstes kleines Geschäft in der Fürther Sternstraße 4 (abgerissenes Haus in der heutigen Ludwig-Erhard-Straße). Er lebte zunächst von Reparaturen und der Trafo-Produktion.

Nach Kriegsende schlug Grundigs große Stunde. Er hatte eine geniale Idee: Um das Verkaufsverbot von Radios durch die amerikanischen Besatzungsmacht zu unterlaufen, stellte er den Baukasten Heinzelmann her, aus dem sich jeder seinen Radioapparat selbst zusammensetzen konnte. Bereits 1947 errichtete Grundig seine erste richtige Fabrik, in der ein Jahr später schon 650 Beschäftigte arbeiteten. 1952 war Grundig zu Europas größtem Radiohersteller geworden. Der Weg zum Weltunternehmen führte über immer neue Produkte: Schallplattenspieler, Kofferradios, Musikschränke, Tonbandgeräte, Stereoanlagen, Fernsehapparate, Videogeräte.

Die Geschichte des Rundfunks von den Anfängen bis zur Gegenwart ist noch heute im einzigartigen Rundfunkmuseum der Stadt Fürth zu erleben.

Seit den 50er-Jahren führte Grundig in seinem Firmenlogo das Fürther Kleeblatt, womit er auch die enge Verbindung zur Stadt seines Aufstiegs unterstreichen wollte.1958 erhielt Grundig die Goldene Bürgermedaille der Stadt Fürth, 1963 wurde er Ehrenbürger.

Nach ihm ist der Platz an der Kleinen Freiheit benannt, auf dem seit 1995 der von ihm gestiftete Paradiesbrunnen steht.

Rundfunkmuseum
Gustav und Grete Schickedanz
Gustav und Grete Schickedanz.
© Stadtarchiv Fürth

*1895 †1977

Wie viele berühmte Fürther kam Gustav Schickedanz aus einfachen Verhältnissen. Ihm war der Aufstieg aus einer Handwerkerfamilie zum Chef eines Weltunternehmens nicht in die Wiege gelegt.

 

Für die kleine Quelle-Angestellte Grete Lachner, die 1942 Gustav Schickedanz' zweite Frau wurde und nach dessen Tod an der Spitze des Welt-Konzerns trat, gilt dies ganz genauso.

Entstehung des Versandhauses Quelle

Nach Schule, Lehre und Kriegsdienst stellte sich Gustav Schickedanz 1923 auf eigene Füße und eröffnete eine Großhandlung für Kurz-, Weiß- und Wollwaren. Vier Jahre später gründete er dann das Versandhaus Quelle. Die neue Idee des Versandhandels stammte aus den USA. Gustav Schickedanz übernahm das System, passte es den deutschen Verhältnissen an und perfektionierte es. Vom Familienbetrieb, der seinen Kunden Wolle, Knöpfe, Hosenträger, Schürzenbänder, Schreibwaren, Messer und Wäsche bis ins Haus lieferte, führte der Weg zu einem Großunternehmen, bei dem nahezu alles bestellt werden kann.

Die Werbung vom Anfang der 30er-Jahre: "Das Haus der guten Qualitäten und billigen Preise" hielt, was es versprach. Fleiß, Sparsamkeit und Ideenreichtum des Unternehmers taten ein Übriges. So machte die Quelle 1938 bereits 40 Millionen Mark Umsatz. Nach dem Krieg fing Gustav Schickedanz wieder ganz von vorn an.

Mit seiner zweiten Frau Grete, die als Lehrmädchen in die Quelle eingetreten war, brachte er das Unternehmen in kurzer Zeit wieder auf Erfolgskurs. Schon 1949 betrug der Umsatz 12 Millionen Mark, 1958 450 Millionen und 1972, nach Eingliederung vieler anderer Unternehmen in den Konzern, gut 5 Milliarden Mark.

An der Fürther Freiheit, wo in einem alten klassizistischen Haus der erste Quelle-Laden war, wurde 1977 ein neues Kaufhaus errichtet, das 1993 aufgegeben wurde. Inzwischen konnte das Gebäude wiederbelebt werden, unter anderem mit dem Modegeschäft Wöhrl und einem neuen Quelle-Technik-Center.

Mit Umsatzzahlen allein wird man dem Unternehmerehepaar Gustav und Grete Schickedanz allerdings nicht gerecht. Die soziale Einstellung beider schlug sich in unzähligen großen und kleinen Stiftungen nieder. Die Stadt Fürth ehrte Grete und Gustav Schickedanz mit der Goldenen Bürgermedaille und später mit der Ehrenbürgerwürde. Die Straße am ehemaligen Kaufhaus trägt den Namen von Gustav Schickedanz, ein Seniorenheim den von Grete Schickedanz.

Zeit des Nationalsozialismus

Im Gegensatz zu diesen positiven Aspekten und der großen Anerkennung unter seinen (ehemaligen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht die Rolle von Gustav Schickedanz im Dritten Reich. Er trat bereits 1932 der NSDAP bei und wurde 1935 von der Partei in den Fürther Stadtrat berufen. Insbesondere profitierte Schickedanz nicht zuletzt wegen seiner guten Verbindungen zum NS-System von sogenannten "Arisierungen". Neben anderen Firmen und Immobilien übernahm er beispielsweise die Vereinigten Papierwerke (unter anderem Tempo) und machte damit ein Vermögen auf Kosten der Vorbesitzer. Im Verdacht stehend, ein reiner Opportunist und "ideologisch nicht gefestigt" zu sein, stand Schickedanz unter Beobachtung der nationalsozialistischen Überwachungsorgane.

 Nach dem Krieg wurde Schickedanz zunächst mit Berufsverbot belegt und musste hohe Sühneleistungen bezahlen. Im Entnazifizierungsverfahren 1949 wurde er als "Mitläufer" eingestuft und erhielt nach und nach seine Geschäftsanteile und Besitzungen zurück.

Jakob Wassermann
Portrait des Schriftstellers Jakob Wassermann.
© Stadtarchiv Fürth

* 1873 †1934

Jakob Wassermann wurde am 10. März 1873 in der Alexanderstraße 8 geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie, die in sehr ärmlichen Verhältnissen lebte.

 

 

 

 

Aufstieg zum Schriftsteller

Sein Vater versuchte sich in vielfältiger Weise als Geschäftsmann, konnte aber so gut wie keine Erfolge verzeichnen. Deshalb wuchs Jakob Wassermann in großer Armut auf. Seine Kindheit war vom frühen Tod der geliebten Mutter, der Hartherzigkeit des Vaters und der Stiefmutter sowie von der materiellen Not der Familie geprägt.

Um überleben zu können, erfand Wassermann schon sehr früh Geschichten - er wurde aus Not zum Erzähler, aus Armseligkeit zum Dichter. Und er wurde ein so guter Schriftsteller, dass Thomas Mann sagte, er sei ein "Fabulierer von Geblüt und Instinkt und keiner unter uns ist wie er".

Im Alter von 16 Jahren verließ Jakob Wassermann seine Geburtsstadt Fürth und ging nach München, wo er ab 1896 als Redakteur beim Simplicissimus arbeitete und bald auch als Autor in Erscheinung trat. 1900 nahm ihn der damals bedeutendste deutsche Verleger, Samuel Fischer, unter seine Fittiche.

Blütezeit

Wassermann war überaus produktiv und lieferte einen Bestseller nach dem anderen. Er gehörte bald zu den wichtigsten und den am meisten gelesenen Autoren seiner Zeit. Hohe Auflagen und Übersetzungen in alle Kultursprachen sorgten dafür, dass Wassermann im österreichischen Altaussee (Steiermark) unter besten Bedingungen leben konnte. Sein Oeuvre bestand aus vielen erzählenden Werken, von denen die meisten auch heute noch gedruckt werden. Beispiele sind "Die Juden von Zirndorf", "Caspar Hauser" und der "Der Fall Maurizius".

Wassermann und der Antisemitismus

In seinen theoretischen Schriften setzte sich Jakob Wassermann mit Grundfragen der Literatur auseinander, aber auch mit dem Antisemitismus, den er zeit seines Lebens erfahren musste. Das Jahr 1933 brachte die Ächtung durch die neuen Machthaber und das Ende der Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag. Am 1. Januar 1934 starb Jakob Wassermann in Altaussee.

Jakob Wassermann, der von Thomas Mann auch als "guter Mensch" charakterisiert wurde, sah sich stets als Streiter gegen das Unrecht. Die Erfahrung mit dem Antisemitismus bestärkte ihn darin, nicht das spezielle, sondern das Unrecht an sich zum zentralen Thema seines literarischen Schaffens zu machen.

Andenken

In der Fürther Südstadt ist heute eine Straße nach Jakob Wassermann benannt. 1995 stiftete die Stadt Fürth einen Jakob-Wassermann-Literaturpreis, den sie alle drei Jahre vergibt. Preisträger waren im Jahr 1996 Edgar Hilsenrath in 1999 die Lyrikerin Hilde Domin und in 2002 Sten Nadolny.

Als Anmerkung: Zum 125. Geburtstag von Jakob Wassermann brachte die damalige Fürther Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm ein viel beachtetes Buch über die Jahre Wassermanns in Fürth heraus, das im Handel (ISBN 3-924983-19-4) erhältlich ist.

Leopold Ullstein
Portrait von Leopold Ullstein.
© Stadtarchiv Fürth

*1826 † 1899

Nicht weit von der ehemaligen Jüdischen Synagoge entfernt wohnte die Familie Ullstein. Vater Hayum Hirsch Ullstein hatte es als Papiergroßhändler zu Besitz und Ansehen gebracht. Er lieferte seine Papiere an Firmen in ganz Deutschland. Vor allem die Zeitungen, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Massenmedium entwickelten, waren Großabnehmer.

 

 

Alle drei Söhne gingen in die jüdische Schule, lernten dann im väterlichen Betrieb und übernahmen 1847 das Geschäft. Bald aber verließen sie Fürth. Die beiden älteren Brüder verlegten die Firma nach Leipzig, dem damaligen Zentrum des deutschen Buchwesens.

Karriere als Zeitungsherausgeber

Leopold, der jüngste, dem im Abschlusszeugnis der jüdischen Schule in Fürth "vorzügliche" Geistesgaben bescheinigt wurden, ging nach Berlin und begann dort wieder einen Papierhandel. Seine eigentliche Passion erfüllte sich 1877, als er mit einer Druckerei auch eine Zeitung, das Neue Berliner Tageblatt, erwarb. Dazu gesellten sich in den nächsten Jahren viele weitere Blätter, u.a. die Berliner Zeitung, die Berliner Abendpost, die Berliner Morgenpost und die Berliner Illustrierte Zeitung. Am wichtigsten aber war Ullstein die Berliner Zeitung.

Das liberale, freiheitliche Blatt wurde Ullsteins politisches Sprachrohr. Es wandte sich gegen Bismarck und dessen autoritäre Politik. Ganz im Sinne Ullsteins charakterisierte sich die Zeitung: "Die Berliner Zeitung will eine konstitutionelle Regierung, keinen Kanzler-Absolutismus. Sie verlangt, dass das deutsche Volk frei sei."

Ullstein starb als hochgeachteter und erfolgreicher Zeitungsherausgeber. Seine fünf Söhne führten das Unternehmen weiter und gründeten 1903 den Ullstein-Buchverlag.

In Fürth erinnern an die Familie Ullstein außer deren Haus noch das Grab der Eltern auf dem Alten Jüdischen Friedhof und die Leopold-Ullstein-Realschule.

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